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Warum gute Absagen wichtig sind – und wie sie gelingen

  • Autorenbild: MK
    MK
  • 17. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Warum gute Absagen wichtig sind – und wie sie gelingen

Absagen gehören zum Recruiting wie Bewerbungen selbst. Doch während Unternehmen viel Energie in Stellenanzeigen, Employer Branding und die Candidate Journey investieren, wird ein entscheidender Touchpoint oft stiefmütterlich behandelt: die Absage.

Dabei ist gerade hier eine riesige Chance versteckt – nicht nur für die Kandidat:innen, sondern auch für die Arbeitgebermarke.


Das Problem mit No-Reply-Absagen

Kennt ihr das? Eine standardisierte E-Mail landet im Postfach: „Leider müssen wir Ihnen mitteilen..." – abgeschickt von einer noreply@-Adresse. Kein Ansprechpartner, keine Möglichkeit zur Rückfrage, keine Tür für Dialog.

Was soll das signalisieren? Im besten Fall Effizienz. Im schlechtesten Fall: „Wir sind nicht an Kommunikation interessiert. Ihr wart eine Nummer in unserem System."

Und genau hier beginnt das eigentliche Problem.


Die häufigsten Einwände – und warum sie nicht überzeugen


„Wir können ja nicht jedem Bewerber individuell absagen."

Stimmt. Erwartet auch niemand. Aber: Eine gut formulierte Standard-Absage mit der Möglichkeit zum Feedback-Gespräch ist etwas völlig anderes als eine kalte No-Reply-Mail.

Aus anekdotischer Evidenz würde ich annehmen, dass lediglich 1 bis 5 Prozent der Bewerber:innen überhaupt eine Rückmeldung in Anspruch nehmen. Bei 100 Bewerbungen wären das 1 bis 5 Gespräche. Machbar, oder?

„Aber das AGG! Wir möchten uns da nicht aus dem Fenster lehnen."

Dann habt ihr ein größeres Problem. Denn wenn euer Recruiting-Prozess nicht AGG-konform ist, hilft euch auch keine No-Reply-Adresse. Im Gegenteil: Transparenz und offene Kommunikation zeigen, dass ihr nichts zu verbergen habt.

„Wir wollen keine Diskussionen ermöglichen."

Wenn euer Prozess konsistent, transparent und fair ist, dann stellt das keinerlei Problem dar. Diskussionen entstehen dort, wo Intransparenz herrscht – nicht dort, wo ihr bereit seid, eure Entscheidungen zu erklären.

„Was soll das denn bringen? Absage bleibt Absage."

Gerade gestern habe ich wieder ein Posting gelesen, in dem eine Quereinsteigerin in HR immer wieder Absagen erhält. Für solche Menschen – und für viele andere – sind Feedbacks essentiell. Sie helfen bei der beruflichen Orientierung, geben konkrete Anhaltspunkte zur Weiterentwicklung und nehmen das Gefühl der Hilflosigkeit.

„Unser Recruiting soll keine Berufsberatung geben, die sollen Leute einstellen."

Korrekt. Aber: Solche Gespräche dauern in der Regel nur wenige Minuten, verbessern spürbar die Candidate Experience und stärken nachhaltig eure Employer Brand.

Überspitzt formuliert könntet ihr euch auch Absagemails komplett sparen – tun ja auch einige Unternehmen – und gar keine Kommunikation mehr zulassen. Aber das kann ja keiner wollen.


Was gute Absagen ausmacht

Eine gute Absage ist:

Respektvoll: Sie würdigt die investierte Zeit und das Interesse der Bewerberin oder des Bewerbers.

Transparent: Sie gibt – wo möglich – zumindest grobe Hinweise auf die Gründe der Entscheidung.

Dialogbereit: Sie öffnet die Tür für Rückfragen, statt sie mit No-Reply zuzuschlagen.

Schnell: Sie kommt zeitnah, nicht nach Wochen des Wartens.

Menschlich: Sie klingt nicht wie von einer KI generiert (auch wenn sie es vielleicht ist), sondern authentisch und wertschätzend.


Was ihr konkret tun könnt

  1. Keine No-Reply-Adressen bei Absagemails. Punkt. Verwendet eine echte E-Mail-Adresse, über die Kandidat:innen Kontakt aufnehmen können.

  2. Bietet die Möglichkeit eines Feedbacks an. Ein einfacher Satz reicht: „Gerne geben wir Ihnen bei Interesse ein kurzes Feedback zu Ihrer Bewerbung. Melden Sie sich einfach unter dieser E-Mail-Adresse."

  3. Schult euer Recruiting-Team. Feedback-Gespräche müssen keine Stunde dauern. Zehn Minuten, drei konkrete Punkte – das reicht oft.

  4. Macht den Prozess transparent. Kommuniziert eure Auswahlkriterien klar. So können Bewerber:innen besser nachvollziehen, warum es nicht geklappt hat.

  5. Seht Absagen als Touchpoint, nicht als Ende. Auch abgelehnte Kandidat:innen können zu Botschafter:innen werden – wenn ihr sie gut behandelt.


Fazit: Absagen sind Employer Branding

Jede Absage ist eine Chance. Eine Chance, zu zeigen, wie ihr mit Menschen umgeht. Eine Chance, euch als fairer, transparenter Arbeitgeber zu positionieren. Eine Chance, auch aus Enttäuschung noch etwas Wertvolles zu machen.

Gute Absagen kosten kaum Zeit, bringen aber enorm viel. Sie stärken eure Reputation, verbessern die Candidate Experience und zeigen: Hier arbeiten Menschen, die andere Menschen ernst nehmen.

Also: Weg mit den No-Reply-Adressen. Her mit dem Dialog. Und ja, auch mit der Möglichkeit eines Feedbacks.

Denn Wertschätzung hört nicht bei der Einstellung auf – sie beginnt schon bei der Absage.

 
 

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